Warum nennt man Auszubildende "Stift"? Eine historische Erklärung

Weshalb nennt man Auszubildende „Stift“?

Weshalb bezeichnent man Azubis im Handwerk „Stifte“? Eine historische Erklärung

Die Bezeichnung „Stift“ für einen Auszubildenden ist in Deutschland weit verbreitet, doch viele wissen nicht, woher dieser Begriff eigentlich stammt. Die Herkunft des Wortes hat interessante historische Wurzeln, die bis ins Mittelalter zurückreichen und sowohl im Handwerk als auch in klösterlichen Zusammenhängen zu finden sind.

Ursprung im Handwerk

Im Mittelalter war das Handwerk ein wesentlicher Bestandteil des täglichen Lebens. Junge Lehrlinge, die in die Lehre gingen, wurden oft als „Stift“ bezeichnet. Dieses Wort kommt vermutlich von dem mittelhochdeutschen Begriff „stift“, der „Unterstützung“ oder „Hilfe“ bedeutet. Ein Lehrling war also jemand, der dem Meister zur Hand ging und unterstützte. Diese jungen Menschen begannen ihre Ausbildung mit einfachen, aber notwendigen Aufgaben, bevor sie sich zu erfahrenen Handwerkern entwickelten. Eine weitere Erklärung könnte gewesen sein, dass man einen „Stift“ spitzen muss, damit man ihn gut einsetzten kann.

Klösterliche Wurzeln

Die Bezeichnung „Stift“ hat auch Verbindungen zu kirchlichen Institutionen. In klösterlichen Stiften, also religiösen Gemeinschaften, wurden junge Novizen oder Schüler als „Stifte“ bezeichnet. Diese jungen Männer wurden in den klösterlichen Einrichtungen ausgebildet und dienten der Gemeinschaft. Die klösterliche Ausbildung war ebenfalls eine lange und intensive Phase des Lernens und Dienens, ähnlich wie die handwerkliche Lehre.

Übertragung ins weltliche Handwerk

Es ist wahrscheinlich, dass die klösterliche Bezeichnung ins weltliche Handwerk übertragen wurde. In beiden Kontexten durchliefen junge Menschen eine längere Ausbildungszeit und standen unter der Obhut eines Meisters oder Lehrers. Der Begriff „Stift“ wurde als umgangssprachlicher Ausdruck für diese unerfahrenen Arbeiter verwendet, die noch viel lernen mussten.

Sprachliche Entwicklung

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich der Begriff „Stift“ im allgemeinen Sprachgebrauch verfestigt. Auch heute noch wird er regional unterschiedlich genutzt und verstanden, aber er bleibt eine gängige Bezeichnung für Auszubildende in verschiedenen Berufszweigen. Die Verwendung dieses Begriffs spiegelt die historische Verbindung zu jungen Menschen wider, die in ihrer Ausbildung noch zur Hand gehen und sich Wissen und Fähigkeiten aneignen müssen.

Fazit

Die Bezeichnung „Stift“ für einen Azubi hat ihre Wurzeln in der Handwerksgeschichte und klösterlichen Traditionen des Mittelalters. Sie zeigt die Entwicklung junger Menschen, die als Lehrlinge oder Novizen einfache Aufgaben übernehmen, um zu lernen und zu wachsen. Diese historische Perspektive macht deutlich, wie tief verwurzelt und bedeutungsvoll solche Begriffe in unserer Kultur und Sprache sind.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf lässt sich der Begriff „Stift“ vielleicht mit einem neuen Verständnis und Respekt für die lange Tradition und die harte Arbeit, die mit der Ausbildung verbunden ist, verwenden.

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